Modul -Storytelling


Kompetenzen auswählen - der Zweck des Geschichtenerzählens

Die Auswahl der Geschichte hängt vom Ziel oder Zweck des Einsatzes von Storytelling ab. Wollen Sie die Entwicklung von Kompetenzen unterstützen, die Geschichte als Einstieg in die Diskussion über ein bestimmtes Thema nutzen oder die Lernenden dazu motivieren, ihre eigenen Geschichten zu erzählen? Überlegen Sie sich, was Sie erreichen wollen und welche Wirkung die Geschichte haben soll. Das StoryComp-Projekt hat zehn Hauptziele des Geschichtenerzählens in der Grundbildung und der politischen Bildung identifiziert (siehe Methodological Framework ▾ ).

Diese Hauptziele zielen auf die Förderung von ...
Motivation und Bewusstsein

Eine Geschichte wird eingesetzt, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu gewinnen, sie für die erzählten Themen zu sensibilisieren und sie zu aktivieren, mehr darüber zu erfahren, aktiv zu werden oder sich für etwas zu engagieren.

Beispiel: Eine Geschichte, die Menschen auf die Notwendigkeit eines fairen und nachhaltigen Lebens aufmerksam macht.

Zugehörigkeit

Geschichten werden erzählt, um eine Art Zusammengehörigkeit zu spüren, um sich als Teil eines gemeinsamen Ereignisses zu fühlen und die damit verbundenen Gefühle zu teilen.

Beispiel: Eine Geschichte mit einem Wohlfühlinhalt und aktiver Beteiligung der Zuhörenden; eine Geschichte mit einem Inhalt, mit dem sich die Teilnehmenden identifizieren können

Kritisches Denken

Geschichten werden erzählt, um Menschen auf andere Betrachtungsweisen aufmerksam zu machen und Impulse zu setzen, kritisch oder anders als gewohnt über Themen nachzudenken.

Beispiel: Eine Geschichte über einen menschlichen Konflikt, so dass sich die Zuhörenden herausgefordert fühlen, ihre eigene Position zu dem Thema zu finden und gleichzeitig über die Meinung anderer Teilnehmenden nachzudenken, die der eigenen entgegengesetzt sein kann (z. B. eine "me too"- oder "black lives matter"-Geschichte)

Wissensvermittlung

Geschichten bieten den Zuhörenden Inhalte, die leichter verarbeitet werden können als schriftliche Materialien. Auf diese Weise können Geschichten den Menschen helfen, neues Wissen zu erfassen und zu verarbeiten.

Beispiel: eine Geschichte über eine Reise, damit die Zuhörenden eine Vorstellung von den geographischen und kulturellen Inhalten der Reise bekommen (Orte, Länder, Eindrücke)

Spracherwerb

Geschichten können zum Spracherwerb beitragen, sowohl durch den Inhalt der Geschichte als auch durch die reflektierenden Gespräche, die Zuhörende und Erzählende führen können. Geschichten helfen also, sprachliche Kompetenzen zu erwerben.

Beispiel: eine Geschichte, in der die Zuhörenden aufgefordert werden, jedes Mal eine Antwort zu geben, wenn ein bestimmtes Wort verwendet wird (zum Beispiel ein Wort, das sich auf einen wichtigen menschlichen Wert bezieht)

Kreativität & Ausdruck

Die Arbeit mit Geschichten und Storytelling fördert die kreativen Kompetenzen und die Ausdrucksfähigkeit der Teilnehmenden. Geschichten sind an sich schon ein Ausdruck der Kreativität ihrer Erzähler:innen. Zugleich regen sie die Phantasie und Kreativität der Zuhörenden an.

Beispiel: Eine reale fiktive Geschichte, die eigentlich eine Fantasie ist (Nils Holgersens Reisen/ Die wunderbaren Reisen von Nils), um die Zuhörenden zum Mitdenken anzuregen und so kreative Gedanken und Kompetenzen zu entwickeln.

Identität & Anerkennung

Geschichten werden erzählt, um Menschen zum Teil eines gemeinsamen Erbes oder einer Tradition zu machen, damit sie sich verwurzelt und anerkannt fühlen. Sie finden sich - erzählend und hörend - in Geschichten wieder, werden angeregt, über ihre Herkunft nachzudenken, können Traditionen reflektieren und teilen.

Beispiel: In den Niederlanden sind Geschichten über den gemeinsamen Kampf gegen das Wasser ein Beispiel dafür.

Mehrere Perspektiven

Geschichten werden erzählt, um zu verdeutlichen, dass ein und dieselbe Situation von verschiedenen Akteur:innen in der Geschichte, aber auch in realen Lebenssituationen unterschiedlich gesehen werden kann.

Beispiel: Ein Beispiel wäre das Gleichnis vom verlorenen Sohn, in dem der Sohn, der zu Hause bleibt, und der, der weggeht, sowie der Vater die gleiche Situation unterschiedlich wahrnehmen und bewerten.

Kommunikative Fähigkeiten

Geschichten werden erzählt, um die Fähigkeit des Zuhörens, des Interpretierens und des aktiven Kommunizierens wie Sprechen, Formulieren, sich ausdrücken usw. zu fördern. Dies kann in der Geschichte, durch die Geschichte oder durch das Sprechen über die Geschichte geschehen.

Beispiel: Geschichten über eine vergangene Reise. Die Zuhörenden können eingeladen werden, Fragmente ihrer eigenen Reiseerfahrungen hinzuzufügen. Gemeinsam bereichern sie so die Geschichte und erwerben kommunikative Kompetenzen.

Empowerment

Es können Geschichten über Menschen erzählt werden, die ihre Selbstzweifel überwunden haben und im Leben erfolgreich geworden sind. Dies kann eine Gelegenheit sein, sich mit den Charakteren der Geschichte zu identifizieren und die Chancen der eigenen Perspektiven zu diskutieren.

Beispiel: Es könnte eine Geschichte erzählt werden, wie sich eine Reinigungskraft in einem Büro durch aufmerksame Beobachtung der dortigen Arbeitsabläufe allmählich zu einer IT- und Organisationsberaterin hochgearbeitet hat. Das kann natürlich zu viel Gesprächsstoff führen und möglicherweise, mit der richtigen Moderation, zu Empowerment.